Bank für Sozialwirtschaft
Aug 1, 2017

Eine Investition in die Zukunft
Grundsteinlegung des Neubaus der Tagesförderstätte der bhvb -
Behindertenhilfe Vogelsbergkreis e.V. - Projekt über zwei Millionen Euro

 

HERBSTEIN (pm). „Endlich ist es soweit!“ – Katja Diehl, Vorstandsvorsitzende der bhvb - Behindertenhilfe Vogelsbergkreis e.V. konnte ihre Begeisterung anlässlich der Grundsteinlegung für den Neubau der Tagesförderstätte der bhvb auf dem Gelände der Werkstatt in Herbstein am vergangenen Dienstag nicht verhehlen. Das musste sie auch nicht, denn mit ihr teilten zahlreiche Gäste, Projektbegleiter, Beschäftigte und Mitarbeitende die Freude über den Baubeginn dieser, wie sie sagte, „längst überfälligen Maßnahme“.

Einst konzipiert für zwölf Menschen, werden in der Tagesförderstätte heute dreißig Menschen mit verschiedensten Behinderungen und Einschränkungen betreut, führte Diehl aus und beschrieb eine Situation, die sowohl für die betreuenden Beschäftigten der bhvb als auch für die Menschen selbst kaum zufriedenstellend war. Zum einen sei es unter diesen Voraussetzungen nicht möglich gewesen, jeden einzelnen Menschen so zu betreuen, wie es nötig sei, zum anderen hätten einzelne Menschen mit Behinderung und psychischen Auffälligkeiten diese mitunter noch verstärkt. „Wir verbessern mit diesem Neubau die Lebens- und Fördersituation unserer Menschen und Beschäftigten ganz erheblich“, betonte Diehl, die ganz besonders dem Betreuungspersonal für seinen herausragenden Einsatz unter nicht optimalen Bedingungen dankte.

Das neue Konzept der Tagesförderstätte sieht auf einem Gelände von 750 Quadratmetern sechs miteinander verbundene Gruppenräume vor, dazu ein Außenbereich für jeden Raum, einen großzügigen Sanitärbereich für jede Gruppe, einen Therapieraum für externe und intern angebotene Therapien sowie einen Snoozelraum und ein geräumiges, gut ausgestattetes Pflegebad. „All das ist für die Menschen in der Tagesförderstätte von großer Bedeutung“, führte die Vorstandsvorsitzende aus. Die Tagesförderstätte dient Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderungen, die keiner gewerblichen Tätigkeit in der Werkstatt nachgehen können, als „zweites Milieu“, skizzierte sie die Bedeutung dieser Einrichtung. „Wir schaffen für diese Menschen eine Tagesstruktur außerhalb ihres Wohnumfeldes, ermöglichen Begegnung und Beschäftigung und stärken so ihre Teilhabe an einem Leben außerhalb der Wohnung.“ Daher sei es auch von großer Bedeutung, dass die Tagesförderstätte in direkter Nähe zur Werkstatt und der Kantine der Werkstatt angegliedert sei. „Wir freuen uns sehr, dass dies nun alles auf unserem Gelände möglich wird“, so Diehl, die auch die Finanzierung des Zwei-Millionen-Projekts ganz offen ansprach: Gut ein Drittel trägt mit 705.000 Euro das Hessische Sozialministerium. Einen weiteren großen Beitrag leistet die Aktion Mensch mit 110.000 Euro. 20% der Bausumme konnte die bhvb - Behindertenhilfe Vogelsbergkreis e.V. aus Eigenmitteln schultern, der Rest kommt als Darlehen hinzu, das wiederum vom Träger der bhvb, dem Landeswohlfahrtsverband (LWV), zur Verfügung gestellt wird.

Diehl dankte in ihrer Ansprache allen Projektbegleitern, darunter ganz besonders den beiden Architektur- und Planungsbüros, der Stadt Herbstein, die mit ihrer Zustimmung zur Förderung des Landes diese erst ermöglicht hat, sowie den Partnern des LWV. Ganz ausdrücklich würdigte sie auch den Anteil der Beschäftigten an der Konzeptionierung und Ausgestaltung der neuen Tagesförderstätte. Namentlich dankte sie hier dem ehemaligen Werkstattleiter Berthold Sommer sowie dessen Nachfolger Udo Czerwinka.

Als Vertreter des Landkreises war der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Jens Mischak zur Grundsteinlegung erschienen. Er unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung der bhvb für den Standort Herbstein und die Region. „Die bhvb ist ein verlässlicher, starker, gut vernetzter Partner in der Region“, so Dr. Mischak, „nicht nur im Blick auf die Betreuung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung, sondern auch in vielen anderen Gebieten wie der Eingliederungshilfe, der Frühförderung, der Jugendhilfe und der Betreuung von minderjährigen Flüchtlingen.“ Den Neubau der Tagesförderstätte bezeichnete der Wirtschaftsdezernent als eine „Investition in die Zukunft“, die auch inklusiven Charakter habe. „Inklusion“, so Dr. Mischak, „schaffen weder Politik noch Träger alleine, sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die gemeinsam gedacht werden muss.“

Herbsteins Bürgermeister Bernhard Ziegler, seines Zeichens auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der bhvb, war seit langem in die Planungen involviert. Umso erfreuter zeigte auch er sich, dass die Baumaßnahmen auf dem Werkstattgelände nun begonnen haben. Er unterstrich die beeindruckende Entwicklung der bhvb, die mit inzwischen 300 Beschäftigten und mehr als 500 betreuten Menschen ein wichtiger Faktor in der Region sei. Dabei müsse die Einrichtung auch wie ein Unternehmen am Markt agieren, beschrieb Ziegler eine weitere Facette der Arbeit der bhvb. Für Herbstein sei die Werkstatt längst Teil der Gesellschaft und des Ortes geworden, betonte der Rathauschef, der zu der Grundsteinlegung die Glückwünsche sowohl der städtischen Gremien als auch der Vereine und Bürgerinnen und Bürger überbrachte.

Zur Grundsteinlegung schließlich versammelte sich eine ganz Gruppe an dem Ort des Geschehens: Katja Diehl, Dr. Jens Mischak, Bernhard Ziegler, Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Ulrich Lipphardt, Vorstandsmitglied Frank Haberzettl, Thomas Otte vom Architekturbüro BBO und Peter Schwan, 1. Stadtrat der Stadt Herbstein, befüllten den Metallzylinder mit einer Ausgabe der lokalen und einer überregionalen Tageszeitung, mit einer Ausgabe der hausinternen bhvb-Zeitung „transparent“, den Bauplänen sowie einem Set Euromünzen. Vor Ort wurde das Behältnis fachmännisch zugelötet und symbolisch in das Mauerwerk gelegt.

Nun hoffen alle Beteiligten, dass noch vor dem Vogelsberger Wintereinbruch der Rohbau steht und die neue Tagesförderstätte im kommenden Sommer eingeweiht werden kann.